The Australian Philatelist


Volume 3 / 2016 (issued: 2016 Aug. 23)

von Manfred Klimmeck, Schöneck

Suchbegriffe: Beleg-Analyse, NSW, Nestle

Die 5€-Analyse:

Wieviel Forschungs-Arbeit kann man in eine einfache und preiswerte Postkarte stecken?

Wie vielleicht schon bekannt ist, bin ich ein absoluter Freund von „LoCoCo“, d.h. Low Cost Collecting. Auch wenn ich bisher nur Ablehnung zu dieser Ansicht erfahren habe, möchte ich nach wie vor dafür werben, dass ernsthafte Philatelie und vor Allem der Spaß daran und die Entspannung dabei nichts damit zu tun hat, wieviel Geld man dabei ausgibt.

Als ein Beispiel möchte ich hier eine Postkarte aus NSW vorstellen, deren Erwerb mich weniger als 5€ gekostet haben.

Karte Front

Ich möchte den Reiz dieser „Low-Cost-Philatelie“ mit anderen teilen. Wenn jmd. abweichende oder ergänzende Erkenntnisse hat, würde ich mich über jede Info freuen.)

Auch – oder gerade – die Rückseite bietet vielfältige Ansatzpunkte für eine kleine Forschungsreise.

Karte back

  • Basis – Informationen:

 

Diese Postkarte wurde am 21. April 1892 von einer Person namens Nelson von Gerringong mit einem Schiff „S.S. Peterborough“ an den Manager der Butter Company in der Sussex Street in Sydney geschickt.

Der Empfänger wird beauftragt, 3 Säcke Saatgut, 3 gute Käse und 16 Säcke Mais zu transportieren.

Geschichte:

Zur groben zeitlichen Einordnung sei erwähnt, dass im Jahre 1892 Rudolf Diesel die Patentrechte für seinen Motor erhält.

Das Datum war ein Donnerstag; daher steht auf der Karte korrekterweise „tomorrow Friday“.

Wie wir später sehen werden, verließ das Schiff am Freitag den 22. April den Hafen.

  • S.S. Peterborough:

 

S.S. ist die Abkürzung für „Steam Ship“ = Dampfer. Manchmal wird es mit Punkten und manchmal ohne geschrieben.

Gesucht wird daher nach der „S.S. Peterborough“ und/oder der  „SS Peterborough“.

Im Internet fand ich sogar ein Photo dieses Schiffs im Hafen von Gerringong.

 

Segler

In einer Auflistung der Schiffswracks erkennt man, dass unsere SS Peterborough

6 Jahre vor diesem Transport den Dampfer Prince of Wales „versenkt“ hatte.

Prince of Wales. Steamer, 60/41 tons. #74956. Built NSW, 1877; reg. Sydney, 4/1878. Lbd 92 x 16.4 x 7.3 ft. Sank after collision with  S.S.Peterborough 12 nm north-east of Botany Bay heads, 16 July 1886. The engineer and fireman went down with the vessel. [LN],[SAN]

Am 5 April 1908 hat man sich dann revanchiert und bei der Rettung des Dampfers Bega geholfen, der übrigens Gold geladen hatte.

Quelle für solche Katastrofen:

http://oceans1.customer.customer.netspace.net.au/nsw-main.html

  • Absender :

 

Genau ist die Abkürzung vor dem Nachnamen nicht zu identifizieren. Ich würde dies im ersten Ansatz als „W. Nelson“ bestimmen.

Die Ortsangabe oben rechts ist nur unklar zu lesen.

Da der Stempel darunter aber mit dem 21. April 1892 dasselbe Datum, wie im Text aufweist, gehe ich hier vom Absende-Ort Gerringong aus.

„Nelson“ ist ebenfalls ein Vorname, der in Gerringong geläufig ist. Auch diese Spur muss verfolgt werden.

1885 wurden alle Landbesitzer in NSW erfasst. Daher ist bekannt, dass es einen And. Nelson gab, der in Gerringong Land besaß (106 Occupiers, 6 Acres, 65 Pferde und 35 Schafe).

Er war aber nicht der einzige nachweisbare Nelson. Zusätzlich gab es Thos. Nelson in Gerringong Creek. Da ich davon ausgehe, dass dieser Ort  einen eigenen Stempel besitzt, konzentriere ich mich auf „And. Nelson“.

Die Ahnenforschung von Gerringong kann man z.B. über die Internetseite

http://www.rootsweb.com/~nswgdhs/index.htm betreiben.

Dort erfährt man dass Gerringong als Stadt erst am 17. Januar 1854 gegründet wurde.

Es gibt 69 Nelsons in der Stadt.

Über http://www.rootsweb.com/~nswgdhs/names24.htm#nelson erfährt man die Vornamen und Geburts- und Sterbe-Termine.

Unser „W. Nelson“ hat 1892 mit dieser Karte den Transport von Getreide und Käse veranlasst. Somit war er bereits „geschäftsfähig“. Ich gehe daher davon aus, dass er oder sie zu diesem Zeitpunkt mindestens 20 Jahre als sein müsste, d.h. geboren im Jahre 1872 oder früher.

Gehen wir auf Grund der Ahnenforschung in

http://www.rootsweb.com/~nswgdhs/18383.htm

von William Nelson aus, der am 20. Oct. 1862 in Gerringong geboren und dort  am 28. April 1946 beerdigt wurde (obwohl er woanders verstarb).

Der Vater war Andrew Nelson (1833 – 1911), der somit 1885 als Landbesitzer erfasst wurde (siehe oben).

  • Wo liegt Gerringong:

Landkarten und Städteführer lassen mich hier leider im Stich.

Über http://www.gerringong-gerroa.com/train-timetable.htm#Nowra erfährt man aber den Busfahrplan von Nowra bis Sydney.

Von Nowra bis Kiama benötigt man mit dem Bus 40 Minuten (2 Zwischenstopps). Ich gehe daher von einer Entfernung von ca. 50 Km aus.

10 Minuten vor Kiama liegt Gerringong, d.h. im Umkreis von 10 km von Kiama.

Bis Sydney benötigt der Bus 2,5 Stunden.

Diese Informationen werden durch Wikipedia bestätigt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Gerringong%2C_New_South_Wales#History

Gerringong ist demnach 12 km von Kiama und 210 km von Sydney entfernt.

Laut Wikipedia wurde Gerringong erst 1854 gegründet. Daher wurde auch William Nelson mit Gerringong in Verbindung gebracht, nicht aber sein Vater Andrew, der bereits 1833 geboren wurde.

Zum Zeitpunkt des Wikipedia-Eintrages gibt es 4188 Einwohner. Regiert wird es über Kiama. Diese Stadt zumindest findet man auf den Landkarten.

Eine Postkarte von Gerringong dürfte somit definitiv selten sein.

  • Wer ist der Empfänger:

 

Klar ist der Ort „Sydney“. Bei der Straße gehe ich von der „Sussex Street“ aus.

Unklar ist die Idee des Überstrichs über „ST“ von „Street“ und über die mittleren Buchstaben im Namen.

Ich kann leider keine Annahmen treffen und muss daher folgende Optionen prüfen:

Buller Company, Butler Company, Butter Company und Bulter Company

Die Sussex Street in Sydney wird derzeit bepflastert mit großen Hotels.

Haus und Karte

Hier ein Beispiel vom Sheraton auf der Sussex St.

Die Straße findet man links parallel zum „Darling Harbour“ südlich von „Millers Point“.

Sie befindet sich somit in der Nähe des Hafens und diese Lokation war somit auch damals schon ein idealer Platz für Handels-Aktivitäten jeglicher Art.

Wird es jetzt richtig spannend?

Unter dem Suchkriterium “Butter Company” stößt man auf Nestle; und zwar an exakt derselben Adresse.

Year Established: 1921
Formerly: The Nestle Company (Australia) Limited
Street Address: Level 25 Darling Park Tower 2 201 Sussex St Sydney NSW 2000

Auf der Textseite der Karte gibt es das Wort „please“. Das „l“ ist eindeutig ausgeprägter. Ich gehe daher davon aus, dass es im Namen der Adresse nicht enthalten ist

Für die weitere Analyse gehe ich somit von der „Butter Company“ aus.

Hierzu wurde eine umfangreiche Internet-Suche gestartet.

Eine Seite, die nicht geöffnet werden konnte, da sie ggfs. inzwischen gelöscht wurde, enthielt folgenden Text:

Miss Aitken worked with West before the war for the NORCO butter company on the corner of Sussex & Bathurst Streets in Sydney. During the war she helped put

Auf dem Ausschnitt oben ist genau diese Straßen-Ecke nicht zu sehen, sie liegt kurz unterhalb des gewählten Ausschnittes.

Historische Informationen über NORCO erhält man über

http://www.norco.com.au/publish/article_19.shtml

Zunächst scheint diese Information eine falsche Fährte zu sein. 1897 stationiert diese Firma ca. 800 km nördlich von Sydney an der Küste in Byron Bay bzw. Murwillumbah.

1923 wurde jedoch ein Verkaufsbüro eröffnet: 379 Sussex Street.

Es gibt sehr viele Butter-Produzenten zu dieser Zeit in NSW. Diese werden sich allerdings nicht alle einen Hinterhof teilen. Das Land war ja groß genug.

Auch wenn eine Adresse nur den Straßennamen enthält, sollte man somit trotzdem davon ausgehen, dass dies den Empfänger ausreichend eindeutig identifiziert.

Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei NORDCO um die richtige Gesellschaft handelt, die ggf. eine vorher dort ansässige Gesellschaft übernommen hat.

Wer über die Entwicklung der Molkerei-Industrie in Australien nachlesen will, dem sei folgende Seite empfohlen:

http://www.liscity.nsw.gov.au/print2.asp?id=18&cat=143

Dort wird dann genau meine oben geäußerte Vermutung bestätigt.

1892 begann man, eine Kooperation eigenständiger Molkereien und Käsereien zu starten. Über 100 wurden beteiligt.

Und im Jahre 1904 wurde dann aus dieser Kooperation die NORCO gegründet.

Eckhaus

 

 

So sah das Hauptquartier der NORCO

in Sydney aus.

 

 

 

 

 

 

  • Die Ganzsache:

 

Die Maße sind 163mm x 87mm und der Frankaturwert beträgt 1 Penny.

Karte Front

 

 

Die abgebildete Pflanze ist die „Watarah“ (Telopea speciosissima) und wurde zum pflanzlichen Symbol von NSW gekürt.

Der Name stammt vom griechischen „Telopos“ (aus der Ferne zu sehen), weil das Rot so weit leuchtet.

Pflanzenfoto

Pflanzenvergleich

 

 

 

In „The Encyclopedia Of British Empire Postage Stamps“ Band 41 werden zwei unterschiedliche Darstellungsformen unterschieden.

Unsere Karte weist eindeutig die spitzere Blütenform auf und gehört somit zum Typ Wa.

Der Typ Wb wird im August 1888 verwendet. Der Schriftzug „New South Wales“ ist in diesen Fällen geschwungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein direkter Vergleich zeigt

Kartenvergleichganz klar den Unterschied,

links Typ Wa und rechts Typ Wb, die außerdem erheblich kleiner ist.

Laut Robson Lowe wird diese Karte 1890 – 1892 verwendet und trägt bei ihm die Typenbezeichnung „CP12“.

Ganzsachen kategorisiert man offensichtlich immer noch nach einem Katalog von Dr. Ascher aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Mich würde interessieren, ob es aktuellere Werke mit der gleichen Relevanz gibt.

Ascher listet vergleichbar zu Lowe die Typen I und II.

 

 

Bei unserem Typ I = Wa wird noch der Abstand des Wertstempels zum „D“ auf „CARD“ gemessen. Sowohl 6mm (Typ 5a) als auch 4,5 mm (Typ 5b) sind möglich. Bei uns sind dies eindeutig 4,5 mm.

Ein Wertunterschied kann hieraus nach meinen Unterlagen allerdings nicht abgeleitet werden.

Die Karten gibt es strohfarbig oder weiß. Meine Exemplare würde ich der ersten Kategorie zuordnen.

  • Die Stempel:

Abgangsstempel:

Der Stempel auf dem Markenaufdruck ist derart stark, dass auf der Rückseite die drei Segmente der Strahlen durchgedrückt wurden.

Die frühen Nummernstempel haben 4 Segmente je Strahl. Nummernstempel

Unser Stempel hat nur 3; zumindest für einen Strahl.

Für die anderen bin ich mir nicht sicher; es könnten daher auch 4 sein.

Die abgebildeten Typen für NSW resultieren aus dem Buch „Australian Numeral Cancellations: A Compendium“ von H.M. Campbell

Der Unterschied liegt in der Länge der Strahlen, der Anzahl der Strahlen selber und der Anzahl der Segmente je Strahl.

Leider sind nicht alle Strahlen erkennbar und somit zählbar. Ich habe daher die Mittelstrahlen (können in der Mitte auf einer Gerade verbunden werden) ermittelt und die Strahlen darunter gezählt.

Die niedrigen Nummern gibt es üblicher Weise mit Typ 2a. Es ist sehr schwer zu erkennen, ob es sich um 3 oder Segmente handelt.

Eindeutige Aussage ist über die Rückseite zu erhalten, da die Segmente durchgedrückt wurden, auch wenn auf der Vorderseite die Farbe fehlt.

Hieraus ergibt sich eindeutig Typ 3a: 16 Strahlen, Ziffern haben eine Größe von 3,5 – 5 mm.

Während der Gültigkeit von Typ 3 wurden viele Stempel für die niedrigen Nummern von Typ 2 auf Typ 3 ersetzt.

Die Nummer ist nur teilweise zu sehen.

Die erste Ziffer kann daher eine 2  3  9 oder umgedreht – als dann zweite Ziffer – eine 6 sein.

Die zweite Ziffer kann daher eine 3 oder 8 oder umgedreht – als dann erste Ziffer – eine 8 sein.

Nach intensiver Betrachtung weist die erste Ziffer unten einen Bogen nach Links auf und kann somit nur die 3 oder die 9 sein.

Der rechte Rand der Ziffer und hat keine „Taille“ wie die rechte Ziffer. Eine 3 oder eine 8 scheidet somit aus.

Da „93“ die Nummer für Boyd Town ist, welche im Bereich Gerringong liegt, lege ich mich jetzt darauf fest.

Ich habe diesen Ort lange auf der Karte suchen müssen. Er liegt ca. 300 km südlich von Sydney an der Küste. Die Poststation dort ist nachweislich bereits vor 1852 gegründet worden.

In direkter Nachbarschaft liegt Eden, laut Reiseführer, „der letzte erwähnenswerte Ort vor der Grenze zu Victoria“.

Boyd Town wurde 1842 von Ben Boyd angelegt, der davon träumte, dass dies die Hauptstadt von Australien würde.

Zitat aus einem Reiseführer: „Er schuf eine Dampferschiffverbindung nach Sydney….“. Eines der Schiffe kennen wir ja bereits.

Eröffnet wurde diese Station am 1. April 1844. Weitere Details sind verfügbar aber für diese Karte ohne Belang.

Stempel Gerrolong

 

Auf der Rückseite findet man einen Stempel mit der Ortsangabe „Gerringong“ und dem Datum „AP 21; 8192“ offensichtlich von 1892.

Das Datum entspricht dem handschriftlichen Datum im Textbereich.

Der Stempeltyp ist laut Robson Lowe C15 und wird in Sydney verwendet. „Sydney“ ist offensichtlich ein Begriff, der über viele 100-km Entfernung im Umkreis Gültigkeit hat.

Interessant ist jetzt vor allem der Dreher in der Jahresangabe.

 

Stempel CorowaZum Vergleich wird hier ein anderer Stempel desselben Typs aus NSW von 1899 angeführt.

Der Zahlendreher von oben ist offensichtlich nicht der Standard.

In allen Büchern habe ich kein einziges Beispiel für einen solchen Zahlendreher gefunden. Ebenfalls nicht im Internet, bei Ebay oder in Auktionskatalogen (Für Infos und Hinweise wäre ich sehr dankbar).

 

Stempel der Rückseite: Haymarket

Haymarket ist ein Stadtteil von Sydney mit asiatischemStempel Haymarket Einschlag.

Es liegt ungefähr 600 Meter südlich der Kreuzung Sussex ST. Und Bathurst St. (dem Standort der Norco Company).

Das Datum ist Freitag, der 22 April 1892. An diesem Tag soll das Schiff ablegen. Die Uhrzeit ist 8:20 am Vormittag.

 

 

Haymarket liegt nicht am Wasser und nicht am Bahnhof, sondern genau dazwischen.

Haymarket

Warum musste die Karte somit die Station passieren?

Einzelstempel

Stempel der Rückseite: The South Coast ***

Jetzt kommt der „philatelistische Teil“, wo Google nicht immer hilft. Der Stempel ist oval, 52mm in der Breite und 30 mm in der Höhe.

Als Datum ist der 22. April 1892 noch eindeutig identifizierbar.

Danach wird es schwierig.

Im Inneren Kreis steht „sussex“ und unten über der handschriftlichen „Peterborough“ steht eindeutig „Sydney“.

„The South Coast“ ist laut Reiseführer die Gegend südlich von Sydney in der Gegend von Wollongong.

Einen schönen Eindruck der Gegend erhält man über http://de.seesydney.com/Destination.aspx?DProductID=9017194 .

Der Abgangsort Gerringong liegt demnach ganz in der Nähe.

Der Stempel datiert eindeutig auf den 22. April, d.h. dem Tag, an dem das Schiff SS. Peterborough nach Sydney ablegte.

Rechts von „The South Coast“ ist noch ein „W*** CAM*“ identifizierbar, wobei der folgende Buchstabe „D“ oder „P“ sein kann.

Es gibt den Ort „Camden“ (9000 Einwohner, 60 km südwestlich von Sydney).  Ein John Macarthur erhielt dort 1805 fast 200 ha Land zur Schafzucht. An sich nichts besonders, nur dass in dieser Zucht vor allem Merino-Schafe zur heutig üblichen Qualität gebracht wurden.

Camden Park House ist nach wie vor im Besitz von John Macarthurs Nachfahren.

Postgebühren: One Penny für Post Card Gerringong nach Sydney

Nichts ist einfach, auch nicht die Bestimmung der korrekten Frankatur dieser Ganzsache.

diverse Stempel

Das Standard-Werk „The Postal History Of New South Wales 1788 – 1901“ zeigt obige Optionen.

Unsere Stempel von Gerringong und Haymarket gehören eindeutig zu C74.

Auch dieser Stempel ist keine schlichte Normalität.

Die Stempel C73 waren offensichtlich 1880 abgenutzt. Im Oktober 1880 wurden dann neue Stempel bestellt, die ab dem 1. Dezember 1880 für nur 3 Jahre eingesetzt werden sollten.

Dieser neue Typ C74 wurde dann bis 1904 verlängert und entsprechend lange eingesetzt.

Innerhalb der Zeitspanne der Verwendung variierte der Durchmesser von 22,5 mm bis 25 mm.

Unsere Beispiele haben beide 25 mm.

1893 wurde ein neuer Vertrag über die Ausprägung der Stempel geschlossen, der als Veränderung einen zusätzlichen Punkt „.“ nach dem „W“ enthielt.

Unsere Stempel weisen diesen Punkt nicht auf und sind demnach vor 1893 entstanden. Dies passt dann auch zum Datum 21.04.1892.

Am 1. Oktober 1891 trat New South Wales – wie die anderen Australischen Staaten auch – der U.P.U. (Universal Postal Union) bei. Natürlich waren wir Deutsche bei der Gründung dieser Regulierungs-Behörde (1850) beteiligt. So etwas konnten wir ja schon immer.

Ziel war es, die internationalen Postregeln und –Gebühren zu standardisieren.

Was waren aber nun die Gebühren innerhalb von NSW für eine einfache Postkarte?

Die Gebühren in alle möglichen Übersee-Regionen sind ermittelbar, die innerhalb von NSW erheblich schwerer.

Über ein „Queensland-Buch“ wurde zumindest klar, dass ab dem Beitritt in den Commonwealth die Basis-Inland-Gebühren und die Inter-Colonial-Gebühren identisch waren.

Die Gebühren für Queensland aus dem Buch „Queensland Postal History“ von H.M. Campbell sind somit identisch mit den Gebühren in New South Wales.

Auf jeden Fall ist somit die Marke richtig frankiert.


An dieser Stelle möchte ich die Analyse jetzt aber auch beenden.

Für eine „einfache“ Postkarte haben sich nun eine Vielzahl an Hinweise auf eine interessante Geschichte und als Beweis für die Existenz dieser Geschichte ergeben.

Sie wird nie auf einer Ausstellung zu sehen sein, aber die Spannung und Entspannung, die ich bei dieser Analyse erfahren habe war auf jeden Fall ein Vielfaches von dem Wert, was die Karte gekostet hatte.